Investing.com - Die wachsende Unsicherheit an den Märkten hat auch bei Goldman Sachs (NYSE:GS) deutliche Spuren hinterlassen. Vorstandschef David Solomon zeichnete auf der Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen ein insgesamt trübes Bild der wirtschaftlichen Lage - sowohl für die USA als auch für die globale Konjunktur.
Solomon zufolge hätten geopolitische Spannungen und abrupte Veränderungen in der US-Handelspolitik das weltweite Wachstumspotenzial „deutlich zurückgesetzt“. Besonders in Europa spürten viele Marktteilnehmer zunehmende Nervosität, da bestehende Handelsbeziehungen zur Disposition stünden. „Man ist nicht begeistert darüber, dass gewisse wirtschaftliche Strukturen ins Wanken geraten könnten“, sagte der CEO mit Blick auf neue Zölle und protektionistische Tendenzen.
Ähnlich hatten sich zuletzt auch andere Topmanager geäußert. So warnten etwa Jamie Dimon (JPMorgan (NYSE:JPM)), Charlie Scharf ( Wells Fargo (NYSE:WFC)) und BlackRock-Chef Larry Fink vor zunehmenden Risiken. Fink sprach gar davon, kurzfristig zutiefst beunruhigt zu sein.
Laut Solomon versuche die US-Regierung zwar, mit ihrer Handelspolitik die Wettbewerbsfähigkeit des Landes zu stärken, allerdings sei dabei ein hohes Maß an Planbarkeit entscheidend. Er begrüßte daher erste Signale, dass in den jüngsten Verhandlungen wieder etwas mehr Pragmatismus und Augenmaß erkennbar sei. Dennoch bleibe das Risiko eines eskalierenden Handelskonflikts hoch - mit „materiellen Auswirkungen für die US- und Weltwirtschaft“, wie Solomon betonte.
Deutlich nach unten revidierte Goldman Sachs auch seine eigene Konjunkturprognose. Statt eines Wachstums von über zwei Prozent erwartet die Bank für das laufende Jahr in den USA nur noch ein Plus von 0,5 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt. „Die Rezessionsgefahr ist gestiegen“, so Solomon. Weltweit nehme die wirtschaftliche Aktivität spürbar ab.
Besonders bemerkbar macht sich diese Zurückhaltung laut dem Goldman-Chef bei den eigenen Kunden - von Großkonzernen über institutionelle Investoren bis hin zu M&A-Beratern. Investitionsentscheidungen würden zunehmend aufgeschoben, auch Einstellungen und Übernahmen fänden seltener statt. „Strukturelle Unsicherheit trifft auf kurzfristige Schocks - das schränkt die Handlungsfähigkeit vieler Akteure ein“, sagte Solomon.
Auch wenn das Wachstum schon vor den jüngsten Maßnahmen an Schwung verloren habe, hätten die politischen Eingriffe die Konjunktur weiter belastet. Zugleich plädierte Solomon für Besonnenheit: In der aktuellen Phase gelte es, mit Bedacht zu agieren, Investitionen gut abzuwägen und auf mehr Klarheit zu warten.
Trotz aller kurzfristigen Belastungsfaktoren sieht Goldman Sachs die strukturellen Stärken der US-Wirtschaft weiter intakt. „Die Vereinigten Staaten bleiben die größte, dynamischste und widerstandsfähigste Volkswirtschaft der Welt“, so Solomon. Unterstützt durch den starken Dollar und den Ausbau der industriellen Basis bleibe das langfristige Potenzial solide - auch wenn die Märkte kurzfristig weiter volatil bleiben dürften.
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