Berlin, 03. Apr (Reuters) - Die Zollpläne von US-Präsident Donald Trump drohen teuer für Deutschland zu werden. Nach Berechnungen des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) kann sich der Schaden in der vierjährigen Amtszeit Trumps auf rund 200 Milliarden Euro summieren. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt läge dann im Jahr 2028 um etwa anderthalb Prozent niedriger als ohne Zölle, heißt es in der am Donnerstag veröffentlichten Studie. Für die Europäische Union könnte sich der Schaden auf etwa 750 Milliarden Euro summieren.
"Für Deutschland ist der Zoll von 20 Prozent eine ökonomische Katastrophe", so die Studienautoren Jürgen Matthes und Samina Sultan. Sie raten der EU-Kommission dazu, besonnen und aus einer Position der Stärke heraus zu reagieren. "Bislang ging es darum, Trump mit Angeboten etwa bei Flüssiggas oder Rüstungsgütern zu locken", so das IW. "Jetzt ist die Zeit gekommen, dass die Europäische Kommission ihre Waffen zeigt und ebenfalls eine Drohkulisse aufbaut."
Vor allem in einer Kategorie kann die EU demnach der US-Wirtschaft schaden: Bei den Gebühren für die Nutzung von geistigem Eigentum habe sie 2023 ein Defizit von 125 Milliarden Euro ausgewiesen. Gemäß amerikanischer Daten handele es sich dabei zu drei Viertel um Zahlungen von Tochterfirmen in der EU an ihren US-Mutterkonzern. "Strafmaßnahmen würden daher kaum europäische Firmen treffen", so das IW. Allerdings wäre ein solcher Schritt handelspolitisches Neuland. Daher müsse genauer geprüft werden, welche Folgen solche Gegenmaßnahmen für die europäische Wirtschaft hätten.
DIW-Präsident Marcel Fratzscher rät dazu, die US-Techkonzerne ins Visier zu nehmen: "Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für die EU, endlich gegen den Marktmissbrauch einiger mächtiger US-Digitalkonzerne vorzugehen." Dies sollte mit einer fairen Besteuerung in Europa und der Einhaltung europäischer Regeln geschehen – von Datenschutz über ethische Standards bis hin zu Transparenz und Wettbewerb. "Das Vorgehen gegen US-Digitalkonzerne wird Europa wirtschaftlich wehtun, da es häufig wenig oder keine Alternativen für deren digitale Dienstleistungen gibt", sagte Fratzscher. Aber das sei deutlich besser für die EU, als noch weitere Zeit zu vergeuden und die Abhängigkeit und den Marktmissbrauch weiter zu vergrößern.