Investing.com - Der US-Leitindex S&P 500 hat zum Wochenschluss kräftig Federn gelassen. In nur zwei Tagen verlor das Börsenbarometer mehr als zehn Prozent – ein Tempo, das selbst erfahrene Marktbeobachter überrascht hat. Erinnerungen an die Mini-Rezession der Industrie 2015/16 werden wach, auch wenn das Minus bislang nicht an den 20-Prozent-Einbruch von Ende 2018 heranreicht.
Die Kursverluste seien ein Zeichen dafür, wie schnell sich die Stimmung an der Börse drehen kann, erklärte RBC-Strategin Lori Calvasina. Noch vor kurzem hätten viele Investoren auf ein Szenario mit anhaltender Stagflation gesetzt – inzwischen stehe eine ausgewachsene Rezession im Raum.
Laut Calvasina wären im Falle einer klassischen Wachstumsangst Rückgänge von 14 bis 20 Prozent durchaus im Rahmen – das würde den S&P 500 in Richtung 4.900 Punkte führen. Sollte sich jedoch eine echte Rezession abzeichnen, könnte es deutlich tiefer gehen: Historische Vergleiche deuten dann auf Kursziele zwischen 4.200 und 4.500 Punkten.
Aus technischer Sicht orten die Analysten von RBC die nächste Unterstützung bei 4.954 Punkten – dort lag das Tief im April. Danach wäre bei 4.884 Punkten eine weitere Haltelinie, basierend auf einer bekannten Fibonacci-Marke. Die nächsten Widerstände sehen die Experten bei 5.126 und 5.228 Zählern. Der letzte Schlusskurs: 5.074 Punkte.
Während die großen Indizes abrutschten, hielten sich defensive Branchen vergleichsweise gut. Sektoren wie Energie, Tech und Finanzwerte zählten dagegen zu den größten Verlierern – ein Muster, das bereits während des Handelskonflikts 2018 zu beobachten war. Vor allem Energieaktien (NYSE:XLE) standen zuletzt stark unter Druck, was angesichts fallender Ölpreise kaum überrascht. Industriewerte (NYSE:XLI) zeigten sich hingegen erstaunlich stabil.
Dass der Markt gleich an zwei Tagen in Folge mit kräftigen Verlusten eröffnete, überraschte selbst erfahrene Strategen. „Auch wenn die Konjunkturdaten das noch nicht zeigen, ist das Rezessionsthema bei vielen Gesprächen inzwischen präsent“, schrieb Calvasina.
Eine regionale Umschichtung – etwa raus aus Europa, rein in die USA – sei derzeit kein zentrales Thema mehr. Vielmehr sei bereits vor der Eskalation rund um die neuen US-Zölle eine allgemeine Risikoaversion erkennbar gewesen.