London/Mailand/Paris, 03. Apr (Reuters) - In den USA werden Liebhaber von Cocktails, Champagner und ausländischen Bieren wegen der von Präsident Donald Trump verhängten Einfuhrzölle tiefer in die Tasche greifen müssen. Darüber hinaus dürften Spirituosen-Marken von den Speisekarten der Bars verschwinden und auf beiden Seiten des Atlantiks Arbeitsplätze verloren gehen, erklärten Branchenverbände und Analysten der Getränkeindustrie am Donnerstag. Experten der Großbank UBS schätzten, dass die großen börsennotierten Spirituosenhersteller ihre Preise um zwei bis fünf Prozent erhöhen müssten, um die Zölle zu decken. Alternativ könnten sie die Kosten selbst tragen zum Preis von Gewinneinbußen.
Trevor Stirling, Analyst bei Bernstein, sagte, einige Hersteller wie HeinekenHEIN.AS oder CampariCPRI.MI könnten die Produktion oder Abfüllung einiger Marken in die USA verlagern, um die Auswirkungen abzumildern. Andere, wie französischer Champagner oder Scotch Whisky, müssten jedoch in bestimmten Ländern oder ausgewiesenen Regionen hergestellt werden und könnten ihre Produktion daher nicht verlagern.
Trumps global verhängte Zölle treffen alle Spirituosen, vom beliebten Negroni-Cocktail, der auf dem italienischen Campari basiert bis hin zu Guinness Stout, hergestellt von der weltweiten Nummer Eins DiageoDGE.L. Die Einfuhrgebühren treffen außerdem mit 25 Prozent alle Bierimporte. Weitere Belastungen ergeben sich bei Bierdosen, die von Aluminiumzöllen betroffen sind. Das trifft Marken wie das in Mexiko hergestellte CoronaSTZ.N und das niederländische Heineken.
Edward Mundy, Analyst bei Jefferies, wies darauf hin, dass die schlimmsten Drohungen – 200-prozentige Zölle auf europäischen Alkohol und 25-prozentige Zölle auf mexikanischen Tequila und kanadischen Whisky – vorerst nicht eingetreten seien. Sie könnten aber erneut Thema werden, wenn europäische Vergeltungsmaßnahmen amerikanische Spirituosen wie etwa Bourbon Whiskey treffen.
Die Aktienkurse von Spirituosen- und Bierproduzenten blieben am Donnerstag weitgehend unverändert, während die Aktien von Herstellern wie Diageo und Campari stiegen, da die Tequila-bezogenen Zölle vermieden wurden. Branchenverbände erklärten jedoch, dass die am Mittwoch festgelegten Abgaben bereits hoch genug seien, um Branchen zu schädigen, deren Absatz in hohem Maße von US-Konsumenten abhängt. Allein die europäischen Spirituosenexporte in die USA beliefen sich im Jahr 2024 auf 2,9 Milliarden Euro, wie die Handelsorganisation SpiritsEurope mitteilte. Auch viele Arbeitsplätze in den USA hingen von diesem Handel ab.
UMSATZEINBRUCH VON 20 PROZENT befürchtet
Französische Konzerne und Behörden warnten vor einem Umsatzrückgang von 20 Prozent und Massenentlassungen in Regionen wie Cognac, wo französischer Brandy für den Export, vor allem in die USA und nach China, produziert wird. Der spanische Weinverband warnte, kein Markt könne die Umsatzeinbußen in den USA kompensieren. Der japanische Getränkehersteller Suntory erklärte, dass er sich aufgrund der Zölle auf den Verkauf von Spirituosen in den Ländern konzentrieren werde, in denen sie hergestellt werden.
Der irische Whiskey-Sektor exportiert 40 Prozent seiner Produktion in die USA, was das Wachstum antreibt und dabei hilft, die Expansion in andere Märkte zu finanzieren, sagte Eoin O Cathain, Vorsitzender der Irish Whiskey Association. Insbesondere angesichts der anhaltenden Unsicherheit könnten die Unternehmen ihren Schwerpunkt nun auf andere Bereiche verlagern.